Lehrzeit

Dass die Lehrzeit nicht immer nur Sonnenschein bereit hat für Dich, hast Du sicherlich schon gemerkt. Aber so ist das richtige Arbeitsleben, es ist eben kein "Schleck".  Wir vom AZA haben alle auch eine Lehre als Grundbildung absolviert und glaube uns, auch zu unserer Zeit hat der eine oder andere "Sturm" Einzug gehalten. Denke daran, Kommunikation ist das A und O. Ein paar Tipps, wie Du die Lehrzeit gut über die Runden bringst, findest Du hier.

Von der Schulbank in den Betrieb

Wenn Du von der Schulbank in eine Ausbildung startest, in der Du körperlich arbeitest oder stehst, wirst Du eine grosse Veränderung merken. Dass Du die ersten Wochen am Abend platt bist, ist völlig normal. Auch stehst Du unter Umständen früher auf und kommst später nach hause. Du musst evtl. einen langen Arbeitsweg absolvieren oder 3 mal Umsteigen mit ÖV. Dein Körper muss sich erst an den neuen Rhytmus gewöhnen, daher ist es wichtig, dass Du ihm in der Zeit der Umstellung Erholung gibst. Dies erfordert eine Anpassung des Tagesablaufes, den Du bisher gewohnt warst und das braucht auch seine Zeit. Daher kann es durchaus sein, dass Du nicht mehr 3 Mal die Woche am Abend in den Sport gehst, sondern nur noch einmal. Auch den Kontakt zu Deinen jetzigen Freunden kann weniger werden und vielleicht seht Ihr Euch nur noch am Wochenende. Die coole Schulqlique ,die jeden Tag neue Streiche ausgeheckt hat, ist passe. Aber keine Sorge, es werden neue spannenden Bekanntschaften kommen.

 

Umfeld

Dein Umfeld verändet sich schlagartig nach den "letzten" langen Sommerferien. Du nimmst als Lernender eine Rolle in einem Betrieb ein und es wird Dir langsam immer mehr Verantwortung übertragen. Erstmal ist alles neu, neue Mitarbeiter, neue Vorgesetzte, neue Arbeitskleider, neue Regeln, neue Pausezeiten und und und. Es ist wichtig dass Du genau weisst, wer Deine Ansprechperson oder "Götti" ist. Dies wird Dir in der Anfangszeit Sicherheit geben. Lass Dich nicht unterkriegen, versuche Dir möglichst schnell Arbeitsabläufe und Routinen anzugewöhnen. Neue Informationen werden in einer Flut kommen, wenn Du damit Mühe hast, schreibe Dir Notizen auf. Zwischenmenschliche Herausforderungen werden auch auf Dich zukommen, was zum Arbeitsalltag dazu gehört. Es ist wichtig dass Du offen kommunzierst und immer den Respekt bewahrst. Dein Selbstwertgefühl wird sicherlich am Anfang etwas schwanken, aber es wird sich sehr schnell verändern und wachsen. In diesem Alter ticken nicht alle gleich und so entwickeln sich auch nicht alle gleich schnell. Wenn Du mehr über Dein Selbstwertgefühl wissen willst, besuche diese Homepage www.meinselbstwertgefühl.ch

 

Eigeninitiative und Anerkennung

In der Schule war es noch möglich "mitzuschwimmen", in der Arbeitswelt ist dies definitiv vorbei. Es wird von Dir erwartet, dass Du arbeitest, mitdenkst und zwar produktiv. Dies muss alles in der richtigen Zeit und Qualität abgeliefert werden. Es werden also klar Anforderungen und Erwartungen an Dich gestellt. Es ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen und so wirst auch Du klein starten und immer mehr Aufgaben übernehmen können. Je mehr Eigeniniative Du zeigst, desto mehr wirst Du in den meisten Betrieben gefördert. Eine gute Förderung Deiner beruflichen Entwicklung ist auch eine indirekte Anerkennung Deiner Leistung. Falls Du das Gefühl hast, dass Du zu wenig gefördert wirst, suche das Gespräch mit Deinem Verantworlichen. Entscheidend ist, dass Du gemäss dem Lehrplan alle Inhalte vermittelt bekommst. Es liegt also auch an Dir, die erlernten Kompetenzen jeweils nach Semesterschluss zu überprüfen.

 

Vom Teenager zum Erwachsenen

In der Lehrzeit wirst Du dich sehr stark verändern und weiterentwickeln. Das liegt nicht nur daran, dass Du dich geistig veränderst sondern eben auch stark körperlich mit allen Facetten. Da kann es schon mal vorkommen dass man im Kopf, ich nenne es mal "flexibel oder sehr sprunghaft" unterwegs ist. Deswegen gleich grosse Pläne um 180 Grad zu kehren dürfte in den meisten Fällen nicht immer optimal sein. Wenn die Emotionsflut abgeklungen ist kannst Du ganz nüchtern, sachlich und mit Distanz die Situation anschauen, die Dich aus dem Gleichgewicht gebracht hat und das weitere Vorgehen definieren. Dabei kann es hilfreich sein, wenn Du auch Personen aus Deinem vertrauten Umfeld miteinbindest. Sollten Situationen auftreten, die Dein Ausbildungstag beeinträchtigen, suchst Du von Dir aus das Gespräch mit Deinem Berufsbildner. In Krisen oder Notsituationen kannst Du Dich auch an den Schulischen Sozialdienst Deiner Berufsschule wenden. Auch kannst Du jeder Zeit die kostenlose Beratung für Kinder und Jugendliche in Not der Pro Juventute unter 147 in Anspruch nehmen.

 

Berufsschule

Da war noch was, ja richtig die Schule. Unser Schweizer Dualsystem ist eine Erfolgsgeschichte und wird weltweit immer mehr kopiert und eingeführt. Ich kann gut verstehen, dass man nach der Schulzeit die "Schnauze" einfach mal voll hat vom Pauken und nur noch arbeiten will. Dies bereitet vielen Lernenden Mühe. Sie müssen wieder lernen zu lernen, was mit den vielen Ablenkungen, die omnipresent sind, nicht einfach ist. In solchen Fällen können die alt bewährten Lerngruppen oder Lernateliers, die an fast jeder Berufsschule angeboten werden, weiterhelfen. Wenn Du Defizite hast und schlechte Noten kassierst, zögere nicht zu lange, um auf Deinen Berufsbildner zuzugehen. Gemeinsam kann die Lage analysiert und Massnahmen definiert werden.

 

Geld

Es ist ein ganz schönes Gefühl wenn man den ersten Lohn erhält. Du hast ihn Dir sicherlich verdient, oder? Na ja, in der ersten Ausbildungsphase lernst Du vorallem sehr viel dazu. Nach und nach kannst Du aber immer mehr Arbeiten ausführen, Verantwortung übernehmen und produktiv arbeiten. Lass Dich nicht vom Geld blenden, ist natürlich einfach gesagt in der heutigen Welt, aber Du hast das Glück eine Ausbildung machen zu dürfen. Die Ausbildung und Freude an der Tätigkeit sollte im Fokus stehen und nicht das Geld. Mach Dir ein kleines Budget per App oder Papier um nicht Ende Geld zuviel Monat zu haben.

 

Drugs, Sex & Rock and Roll

Mit Deinem Lohn bekommst Du die Möglichkeit Dir etwas zu kaufen, was vorhin noch nicht möglich war, oder die Eltern schlichtwegs für solche Dinge kein Geld locker machten. Es werden mehr Optionen für den Ausgang und Freizeit möglich und Dein Radius erweitert sich. Viele kommen in diesem Alter das erste Mal so richtig mit Suchtmittel in Kontakt. Dazu gehört natürlich auch Alkohol und nicht nur die Drogen. In diesem Alter möchte man vieles auspobieren und testen und ist für alles offen. Schalte Dein Hirn nicht ab, überlege Dir genau, wo Du Deine Grenze festlegen willst. Du kannst auch eine Party rocken ohne Suchtmittelkonsum. Hier findest Du viele Informationen zum Thema Sucht www.suchtschweiz.ch. In diesem Altersbereich machen auch viele die erste Erfahrung mit "Schmetterlingen im Bauch". Man ist hin und weg und über beide Ohren verliebt und möchte nur noch mit dieser Person zusammen sein. Dies ist ein sehr schönes Gefühl und ist sehr bewegend und auch überraschend, wie sehr die Emotionen und Gefühle "verrückt" spielen. Geniesse das in vollen Zügen, bedenke jedoch, dass Du den Rest der Welt nicht einfach abschalten kannst. Du bist in einer Ausbildung, Du hast ein Umfeld und Du musst Aufgaben zuhause und im Betrieb wahrnehmen. Also auch hier, nicht erblinden vor Liebe, sondern versuchen den Überblick zu wahren und die Verantwortung warzunehmen. Party, Party, Party........ Na ja wer kennt das nicht, man schleppt sich von Wochenende zu Wochenende, die durch die Arbeit und Berufsschule unterbrochen werden. Es kann ja durchaus mal so eine Phase geben, bedenke aber, dass Du gerade dabei bist, Dein Fundament für die berufliche Zukunft zu bauen. Dabei solltest Du beachten dass Du fit, nüchtern und ausgeruht zur Arbeit und Berufsschule erscheinst. Wie Du das anstellst, ist natürlich Deine Sache und gilt es erst auch mal rauszufinden.

 

Lehrabbruch?

Nun, es gibt wenige Einzelfälle, in denen ein Lehrabbruch für alle Beteiligten das Beste ist. Dies sollte jedoch erst als letzte Instanz erfolgen. Hier gilt offene Kommunikation mit den Eltern und dem Lehrbetrieb. Wenn Du einen Lehrabbruch in Erwägung ziehst, solltest Du alle Konsequenzen abwägen, nicht dass Du ein Problem nur verschiebst. Dafür ist in aller Regel eine Standortbestimmung notwenig um nicht voreilig eine Entscheidung zu treffen, die Du später evtl. bereust. In einem solchen Fall kann Dir DieChance in der Ostschweiz weiterhelfen. Sprich Deine Gedanken auch mit Deinem Ausbilder an und überlege, was sich ändern müsste, dass Du die Ausbildung trotzdem durchziehst.