Arbeitsknigge

In der Arbeitswelt gibt es ganz viele Benimmregeln, die nicht in einem Firmenreglement stehen. Viele dieser Regeln machst Du vielleicht schon unbewusst und sind Dir absolut klar. Sozialkompetenz und Selbstkompetenz ist eine Schlüsselqualifikation für beruflichen Erfolg und dieser beginnt schon in Deiner Lehrzeit. Wir haben Dir hier die wichtigsten Tipps und inoffiziellen Regeln zum Verhalten in einem Betrieb aus unserer Sicht zusammengestellt.  Je nach Betrieb und Firmenkultur können diese natürlich leicht abweichen.

 

Grundverhalten

Zeige Respekt, Höflichkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Pünktlichkeit. Mit diesen Eigenschaften kannst Du punkten und einen guten Eindruck hinterlassen. Übertriebene Höflichkeit und Freundlichkeit ist fehl am Platz. Versuche authentisch rüber zu kommen und sei Du selbst. Zeige einen offenen und freundlichen Blick und verstecke Deine Hände nicht in der Hosentasche. Zeige Eigeniniative, Verantwortungsbewusstsein, Interesse und erweitere Dein Fachwissen. Dabei werden Dir auf jeden Fall auch Fehler passieren, was nicht weiter schlimm ist, denn es ist noch nie ein Meister vom Himmel gefallen. Wichtig ist aber in solchen Fällen, sofort, offen und ehrlich zu kommunzieren und daraus zu lernen.

 

Grüssen

Lieber einmal zuviel grüssen als zu wenig. Grundsätzlich werden alle Mitarbeiter deutlich gegrüsst. Grüsse mit klarer Stimme und der Umgebung angepasster Lautstärke. Suche dabei den Blickkontakt. Folgende Regeln gelten, Jung grüsst Alt, Lernende grüssen Mitarbeiter und Vorgesetzte. Wenn Du einen Raum betrittst in dem sich Personen aufhalten dann sprich eine kleine Begrüssung aus. Grüsse mit Namen, wenn Du diesen kennst. Wir grüssen zu jeder Zeit: "Guete Morge", "En Guete", "Schöne Obig", "Schös Wuchenend", etc..

 

Begrüssung, Handschlag

Die Initiative für einen Handschlag geht in der Regel vom Ranghöheren aus. Drücke angepasst und kräftig zu. Ein kräftiger Händedruck erweckt einen positiveren Eindruck als ein schlaffer. Wenn Du sitzend eine Arbeit verrichtest und eine Person grüsst Dich mit Händedruck, stehst Du dazu auf.

 

Vorstellung

Wenn Du in eine neue Abteilung wechselst oder bei Vorgesetzten und Mitarbeiter die Du nicht kennst zu einem Termin musst, stelle Dich kurz vor. Dies könnte so klingen: "Guten Tag, ich bin Hans Muster und Automatiker im 1. Lehrjahr". Die Vorstellung beinhaltet immer den Vornamen und Nachnamen und zwar in der Reihenfolge.

 

Du oder Sie?

Grundsätzlich werden Mitarbeiter und Vorgesetzte immer mit Sie angesprochen. Wenn der Ranghöhere dem Lernenden das Du anbietet, darf dieser anschliessend die Person duzen. Auch wenn Du am Telefon bist, im Zweifelsfalle immer mit Sie ansprechen.

 

Im Gespräch

Halte im Minimum eine Armlänge Distanz zu Mitarbeiter und Vorgesetzten ein. Als Lernender wartest Du vor dem Arbeitstisch des Rang höheren und schreitest erst nach einer Aufforderung um den herum. Platze oder unterbreche keine Gespräche. Wenn Deine Ansprechsperson in ein Gespräch verwickelt ist, warte bis dieses beendet ist und Du an die Reihe kommst. Lasse Dein Gegenüber immer zuerst aussprechen, bevor Du Deine Gedanken dazu sagst. In einer Runde sprechen wir immer in der Sprache, die alle verstehen oder der "Amtssprache" der Firma. Wir beziehen alle Personen in ein Gespräch mitein in einer Gruppe. Wir hören anderen interessiert zu und respektieren ihre Meinung und Haltung.

 

Gestik und Verhalten

Folgende Punkte solltest Du während dem Arbeitsalltag unterlassen, da sie sehr negativ aufgenommen werden können.

  • Hände im Hosensack
  • Gähnen ohne Hand vor den Mund
  • Schlafen am Arbeitsplatz
  • 10 Minuten vor der Pause auf die Toilette gehen
  • In Gruppen am Kaffeeautomat stehen
  • Auf den Werkbank sitzen
  • Stehende Arbeiten im sitzen ausführen
  • Nasenbohren
  • Herumplaudern
  • Herumspazieren in anderen Abteilungen
  • Geruchsintensive Lebensmittel in der Abteilung essen
  • Ungepflegtes Auftreten

Kleidung

Der erste Eindruck ist entscheidend. Die Kleidung sollte sauber, ordentlich und der Arbeit angepasst sein. Wenn es eine betriebliche Kleidung gibt, dann trägst Du diese, womit Du fast nichts falsch machen kannst. Beachte bei der Bekleidung auch immer die Arbeitssicherheit.

 

LogIn / Passwort

In der heutigen Zeit arbeiten wir immer mehr mit Accounts die einen Zugang brauchen. Auch Einrichtungen wie z.B. Türen werden immer mehr mit Codes versehen. So tritt immer wieder die Situation auf, dass jemand in Anwesenheit anderer ein Passwort, Login oder Code eingeben muss. Tritt eine solche Situation auf, wende ich mich diskret ab, ohne demjenigen das Gefühl zu geben den Zugang ausfindig machen zu wollen.

 

Eintritt in Räume

Wenn die Türe von einem Rang höheren geschlossen ist, klopfst Du drei mal und wartest. Du trittst erst in den Raum ein nach einer deutlichen Aufforderung. Dies gilt auch, wenn die Türe halb oder ganz offen ist.

 

Ordnung & Material & Entsorgung

Wir halten Ordnung auch während der Arbeit. Wir trennen Messmittel von Werkzeugen und behandeln diese als wären sie persönlich. Wir setzten Material ohne Verschwendung ein. Am Ende jedes Arbeitstags wird der Arbeitsplatz grob aufgeräumt. Am Ende der Arbeitswoche wird der Arbeitsplatz sauber aufgeräumt und Abfälle getrennt entsorgt. Fehlendes Material wird zur Nachbestellung gemeldet, wenn das zweitletzte Bauteil genommen wird. Aufräumen und putzen gehört zur Arbeit dazu, auch in der Ausbildung. Allgemeine Arbeitsplätze, Boden, etc. werden gemeinsam gereinigt oder nach Ämtliplan.

Dazu gehört nun mal auch das stille Örtchen. In vielen Fällen teilen sich viele Mitarbeiter die eine und selbe Toilette. Diese ist nach den westlichen Regeln zu nutzen und in jedem Fall sauber zu verlassen wie die eigene zuhause.

 

Termine und Arbeitszeit

Erscheine immer pünktlich oder lieber 2 - 3 Minuten zu früh an einen Termin oder Arbeit, als zu spät. Wenn Du merkst, dass Du einen Termin nicht einhalten kannst, informiere die Person früh genug und zwar persönlich über Deine Verspätung oder gar Absage. Wenn Du die Person triffst, entschuldige Dich als erstes für Deine Verspätung oder fernbleiben. Dies gilt auch, wenn Du Arbeiten auf einen Termin fertigstellen musst.

 

Handy

Das Handy ist privat, also gehört es während der Arbeit weg vom Arbeitsplatz. Es sei denn man braucht das Handy zur Arbeit für Fotos, Videos oder technische Apps für Apparate und Maschinen. Dies muss aber zuerst vom Vorgesetzten erlaubt und angeordnet sein. Es ist verboten einfach Fotos oder Videos vom innern der Firma, Mitarbeiter oder Anlagen zu machen. Auch Musikhören über Kopfhörer ist in der Regel verboten.

 

WWW und Co.

Wenn Du auch an einem Computer arbeiten musst, halte Dich an folgende Regel. Surfe nicht privat, den Präsenzzeit ist Arbeitszeit. Für solches sind Pausen oder Deine Freizeit da. Denke dabei an Deinen elektronischen Fussabdruck, Seiten mit Gewalt oder pornographischem Inhalt sind absolut tabu.

 

Loyalität

Wahre immer Respekt gegenüber der Firma, Mitarbeitern und Vorgesetzten. Diskretion kommt viel besser an als Klatsch und Tratsch. Es wird nicht über Mitarbeiter, Vorgesetzte oder Firma gelästert. Du wirst Mitarbeiter kennenlernen, die chronisch über die Firma am lästern sind und zwar schon Jahre. Solche Mitarbeiter wählen schlichtweg den einfachen und schlechten Weg, statt aus der Komfortzone zu treten und sich zu verändern. Lass Dich von solchen Personen nicht anstecken! Lästere nicht hinter dem Rücken betroffener Mitarbeiter. Wenn Dir etwas nicht passt, spreche dies direkt, offen und ehrlich an.

 

Qualität & Quantität

Du bist in der Ausbildung daher steht die Qualität vor der Quantität. Du musst Vorgänge und Arbeitsabläufe korrekt von Anfang an erlernen. Die Quantität kommt automatisch mit der Zeit. Also merke Dir, das Tempo immer erst dann erhöhen, wenn die Qualität konstant stimmt. Anschließend braucht es wieder Zeit, mit dem neuen Tempo die Qualität konstant halten zu können usw..

 

Religion und Politik

Jeder darf seine Meinung äussern und kundtun, doch das Umfeld, Zeitpunkt und Art und Weise sollte genau überlegt werden. Dies sind zwei Themen die nach unserer Ansicht nicht in den Arbeitsalltag gehören sondern in die Freizeit. Wir konzentrieren uns auf die Arbeit und verdienen so unsere Brötchen. Eine Vermischung der zwei Punkte mit der Arbeit gilt es zu vermeiden.

Wenn die Auslebung der zwei Punkte oder auch weiteren wie z.B. Sport, den Arbeitsalltag tangiert, sollte in jedem Fall vor dem Arbeits- oder Ausbildungsantritt dies mit dem Vorgesetzten besprochen und eine Regelung getroffen werden.

 

Andere Kulturen, andere Sitten

Die Schweiz als multikultureller Arbeitstopf zeigt, dass eine Zusammenarbeit möglich ist, wenn der Respekt gegenüber jedem Mitarbeiter gewahrt wird. Dabei sollten Religion, Herkunft, politische Haltung, Geschlecht, Migrationshintergrund etc. keine Rolle spielen. Wenn der Respekt in der Firmenkultur verankert ist, dann ist auch eine offene und transparente Kommunikation möglich. Dabei spielt es völlig keine Rolle in welcher Position man im Betrieb ist.  Wir halten uns dabei an das Firmenreglement und sind offen für schweizerische Traditionen und unbeschriebene Verhaltensweisen innerhalb der Firma. Wir versuchen uns der Fimenkultur anzupassen. Dabei sprechen wir die "Amtssprache" der Firma im Arbeitsalltag, wenn es keine andere definierte Regelung gibt.

 

Konflikt

Konflikte gehören zur Arbeitswelt und früher oder später wirst auch Du in einen verwickelt sein. Verhalte Dich dabei ruhig, überlegt und immer respektvoll. Wenn ein Gespräch auf Grund der Emotionen oder Fairness nicht möglich ist, wendest Du Dich am besten an Deine Betreuungsperson. Spreche Unmut so früh als möglich an, bevor aus einer Mücke einen Elefant wird.

 

No Go's

Folgende Tätigkeiten sind absolut tabu und können bei nicht einhalten einen sofortigen Lehrabbruch zu Folge haben.

  • Stehlen
  • Lügen
  • Gewalt
  • Mobbing
  • Rassismus
  • Sexismus
  • Nicht einhalten der Arbeitssicherheit
  • Suchtmittelkonsum

Wenn Punkte unklar sind, wende Dich an Deinen Ausbildner, Eltern oder Lehrer. Auch im WWW findest Du viele Informationen zu den "ungeschriebenen Gesetzen".